Renditen der gesetzlichen Rentenversicherung

Der demografische Wandel und der damit einhergehende Alterungsprozess der Gesellschaft stellen die auf dem Umlageverfahren basierenden sozialen Sicherungssysteme und damit auch das Rentensystem vor immense Herausforderungen. Das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern wird sich in den nächsten Jahrzehnten zunehmend verschlechtern. Um das System weiterhin finanzieren zu können, muss somit entweder der Beitragssatz steigen oder das Rentenniveau zurückgehen. Damit wird sich auch das Beitrags-Leistungsverhältnis für die Versicherten in der Rentenversicherung künftig ändern. Christina Wilke untersuchte, wie sich diese Auswirkungen messen lassen und wie stark sie sein werden.

Die letzten Rentenreformen von 2001 und 2004 haben Maßnahmen eingeleitet, die einen weiteren Beitragssatzanstieg begrenzen sollen und stattdessen eine Verringerung des Rentenniveaus erlauben. Die nebenstehende Abbildung veranschaulicht, wie sich Beitragssatz und Rentenniveau vor dem Hintergrund der Reformen künftig entwickeln werden und wie diese Entwicklung in der Vergangenheit aussah.

Ein Maß für das Beitrags-Leistungsverhältnis ist die interne Rendite. Darunter ist derjenige Zinssatz zu verstehen, bei dem aus der Sicht eines Versicherten der Gegenwartswert der Beitragszahlungen dem Gegenwartswert der Rentenleistungen entspricht. Zur Berechnung dieser internen Rendite wird üblicherweise der so genannte Szenario-Ansatz verwendet, der auf einen stilisierten Standard-Rentner zurückgreift, welcher nach 45-jähriger Erwerbstätigkeit mit 65 Jahren ohne Abschläge in Rente geht. Ein Nachteil dieses deterministischen Ansatzes ist jedoch, dass die von der Rentenversicherung abgedeckten Risiken (Langlebigkeit, Überleben des Partners und Erwerbsminderung) hierbei nicht alle zugleich vollständig berücksichtigt werden können.

Christina Wilke stellte diesem Ansatz daher einen alternativen, stochastischen Ansatz gegenüber, der die versicherten Risiken komplett mit ihren jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeiten abbildet. Anstatt des Standard-Rentners wird in diesem Ansatz somit ein kohortenspezifischer Durchschnittsrentner betrachtet, der die tatsächliche Situation der Versicherten deutlich besser widerspiegelt als der fiktive Standard-Rentner.

Die Berechnung der kohortenspezifischen Renditen ergab für beide Ansätze wie erwartet einen Renditerückgang für künftige Rentner-Generationen, zeigte aber zugleich, dass die Renditen auch für diese Generationen immer noch positiv bleiben. Nach dem deterministischen Ansatz müssen künftige Rentner der Kohorte 1975 demnach mit einer um etwa 0.5 Prozentpunkte niedrigeren Rendite rechnen als die heutige Rentnergeneration der Kohorte 1939, die gerade erst in Rente gegangen ist. Nach dem stochastischen Ansatz ist dieser Rückgang u.a. aufgrund einer korrekteren Berücksichtigung der gestiegenen Lebenserwartung deutlich stärker.

                             

Die Reformmaßnahmen der letzten Jahre führen somit zwar zu niedrigeren Renditen bei den Versicherten. Jedoch ist zu sehen, dass sie insgesamt die durch den demografischen Wandel verursachten zusätzlichen Lasten besser auf die Generationen aufteilen als dies zuvor der Fall war.


mehr Informationen:

Rates of Return of the German PAYG System - How they can be measured and how they will develop
MEA Discussion Paper: 097-05 Christina Benita Wilke